
Innert 10 Tagen unterzeichneten über 600 Personen, davon 537 aus Flawil, die Petition «Neue Tarife für Kinderbetreuung sistieren». Am 14. Februar wurden diese Unterschriften den Verantwortlichen der Gemeinde Flawil übergeben.
Doch das starke Zeichen der Bevölkerung hat nichts geholfen: Der Gemeinderat lehnt es ab, auf die Forderungen der Petition einzugehen. Es bleibt also bei
– der Verdoppelung der Belastung der Eltern,
– Erhöhungen der Tarife um bis 200%,
– Kosten für Randstunden bis CHF 18.-,
– Kosten für die Ferienbetreuung von fast CHF 100.- pro Tag (ohne Verpflegung).
Damit ist klar: Nach der überfallartigen Umsetzung der neuen Tarife mitten im laufenden Schuljahr mit massiv höheren Elternbeiträgen hat der Gemeinderat nur Worte des Bedauerns für die Mehrbelastung der Eltern und Entschuldigungen für die schlechte Kommunikation gefunden – sie kosten ihn ja auch nichts! Die Familien aber werden bis zu drei Mal mehr für die Nutzung der Tagesstrukturen zahlen.
Kurios muten die zwei Hauptbegründungen des Gemeinderates für die Ablehnung der Petition an. Sie fokussieren sich auf den Grundsatzbeschluss der Bürgerschaft im 2008 sowie die damalige Kostenbeteiligung der Eltern nach Abschluss der Anschubförderung des Bundes. Vor fast 20 Jahren beschloss die Bürgerversammlung die definitive Einführung von Tagesstrukturen. Ungeachtet der vielen Entwicklungen in der Zwischenzeit, unter anderem dass das Angebot von schulergänzender Kinderbetreuung erst vor wenigen Jahren im Volksschulgesetz verankert wurde und damit heute eine ganz andere Ausgangslage besteht, bleibt der Gemeinderat in der Vergangenheit behaftet. Mit der Zeit gehen sieht anders aus. Wenn mit den Kosten argumentiert wird, dann müssen auch die Erträge angesprochen werden. Das zusätzliche Einkommen durch die ausdrücklich erwünschte und mit einem einfachen, kostengünstigen Tarif geförderte Berufstätigkeit beider Elternteile wird versteuert. In all den Jahren hat dies mitgeholfen, dass die Steuererträge der natürlichen Personen in der Gemeinde Flawil stetig gestiegen sind. Die Eltern haben ihren Beitrag mehr als geleistet!
Flexible und kostengünstige Betreuungsangebote fördern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, was vor allem für Frauen von grosser Bedeutung ist. Sie stärken die Kinder im Alltag und entlasten Familien. Mit den neuen Tarifen leiten der verantwortliche Schulratspräsident und der Gemeinderat einen massiven Rückschritt ein: Sie verabschieden sich von der kinder- und familienfreundlichen Gemeinde Flawil.
Mit der Ablehnung der Petition stösst der Gemeinderat viele MitbürgerInnen vor den Kopf und er zerstört einen wichtigen Standortfaktor der Gemeinde Flawil. Die Verdrossenheit der Bevölkerung gegenüber den Gemeindebehörden wird wachsen und das Vertrauen in die Institutionen weiter schwinden.
Peter Hartmann, SP Flawil








